2018 stand ich auf einer Bank unter einem klaren Nachthimmel, fest überzeugt, die Milchstraße gefunden zu haben. Hatte ich nicht — was ich fotografierte, war nur ein hellerer Fleck am Himmel, nicht mehr. Ich wusste noch nicht, in welche Richtung ich schauen musste, welche Hilfsmittel es gab, oder wie viel der Astrofotografie eigentlich erst danach passiert, bei der Bildbearbeitung.
Heute sieht die Planung ganz anders aus. Die Schweizer App Swisstopo lässt mich Gelände und Höhenmeter im Voraus studieren, um herauszufinden, wo eine freie, ungehinderte Sicht wahrscheinlich ist. Sun Surveyor hilft bei Richtung und Timing, sogar mit 3D- und Fotoansichten über Google Maps, um einen Ort schon vorab zu sehen, bevor man überhaupt hinfährt.
Und trotzdem — selbst mit Kompass und aller moderner Technik haben die Berge in der Nacht ihre eigene Art, einen zu erden. Mehr als einmal war ich überzeugt, in die richtige Richtung zu schauen, nur um festzustellen, dass die Milchstraße dreißig Grad daneben erschien — mehrere meiner frühen Aufnahmen zeigten schlicht in die falsche Richtung. Die Augen brauchen Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, bevor der Himmel sich wirklich zeigt. Erst dann beginnt die eigentliche Arbeit mit der Kamera.
Wirklich dunkle Himmel werden zudem jedes Jahr schwerer zu finden. Und selbst an einem guten Ort hängt so viel vom Wetter ab, das sich nie ganz vorhersagen lässt — eine klare Vorhersage ist keine Garantie für eine klare Nacht. Mehr als einmal bin ich angekommen, hatte kaum zu fotografieren begonnen, und sah innerhalb einer halben Stunde Wolken über den Gipfeln aufziehen. Es könnte regnen, könnte auch nicht — man weiß es nie sicher, nur wenn man hinfährt und nachschaut. Diese Fahrten bedeuten oft, spät in die Nacht zu fahren — manchmal vor einem Arbeitstag, manchmal nach einem, mit kaum Erholung, um Mitternacht hinauf in die Berge — ohne Garantie, dass sich das Ergebnis lohnt.
Jeder Fotograf fängt irgendwo an. Die Fotos in dieser Sammlung sind das Ergebnis genau dieses Prozesses, immer wieder von Neuem: sorgfältig planen, trotzdem scheitern, und es wieder versuchen.